Sanierung und Umbau des Waldhauses

Vor 110 Jahren wurde das Waldhaus errichtet.
Da es nicht der Heim-Mindestbauverordnung entspricht, wurde es saniert und umgebaut.
Dabei entstanden Kosten in Höhe von ca. 1,5 Millionen Euro.

Seit November 2006 können dort 24 Männer und Frauen in 2 Gruppen leben. Alle Zimmer erhielten eine eigene Badzelle; es entstanden ausschließlich Ein- und Zwei-Bett-Zimmer.
Um dies zu ermöglichen, erhielt das Gebäude einen Anbau, der neben dem vorgeschriebenen Aufzug auch noch weitere Zimmer, unter anderem auch für selbstständigeres Wohnen, aufnimmt. Außerdem wurde die gesamte Haustechnik erneuert und das Haus trocken gelegt.

Zahlreiche Spender haben uns geholfen, aus dem alten Haus ein neues Zuhause zu machen. Dafür danken wir herzlich!

Zahlen und Fakten zum Waldhaus

  • 1893 Einweihung als Männerwohnhaus mit Korbmacher- und Schusterwerkstatt
  • 1901: Das Haus brennt bis auf die Grundmauern ab und wird noch im selben Jahr wieder aufgebaut und neu eingeweiht.
  • 1917: Das Haus wird geschlossen, da die Pfleger zum Krieg eingezogen wurden und es an allem Lebensnotwendigen mangelte.
  • Etwa 10 Jahre später wird es wieder bewohnt.
  • 1943: Die Nationalsozialisten beschlagnahmen die Einrichtung. Erst 1946 ziehen wieder Patienten ins Waldhaus.
  • 1954: Das Haus wird aufgestockt.
  • 1987: Es entstehen 2 Wohngruppen.
  • 1988: Renovierung der Zimmer und Sanitärräume
  • 1992: Instandsetzung des Daches

55 Jahre Leben im Waldhaus...

Manfred R. erzählt:

Als Manfred R. noch im alten Waldhaus lebte, sah man ihn in der wärmeren Jahreszeit oft im Freien sitzen. Drinnen ist es ihm zu laut. "Soviel Radau, das kann ich nicht vertragen. Deshalb sitz' ich gerne bei der Birke in der Freizeit."

Manfred R. wurde 1938 in Dresden geboren. Sein Elternhaus in der Nähe des Großen Gartens fällt am 13. Februar 1945 dem Bombenangriff zum Opfer. Der damals sechsjährige Manfred flieht zusammen mit seinem älteren Bruder, der Mutter und der Großmutter durch die brennende Stadt.

Im Januar 1948 kommt er nach Kleinwachau in die damalige Heil- und Pflegeanstalt für Epileptiker, das heutige Epilepsiezentrum. Hier lernt er Rechnen, Schreiben, Lesen. "Deshalb les' ich ja meistens auch, wenn ich draußen sitze bei der Birke.", sagt er. Früher arbeitete Manfred R. in der Kleinwachauer Landwirtschaft: Rüben verziehen, Kartoffeln entkeimen, Futter laden für Kühe, Schweine, Pferd und Schafe, das waren seine Aufgaben. "Später habe ich dann Wege gekehrt, auch in Radeberg... Aber die Beine machen nicht mehr so mit. Ich bin ja nicht mehr so jung! Bei schlechtem Wetter sind die Beine schlimmer. Deshalb gucke ich abends immer Nachrichten, damit ich weiß, wie's Wetter wird."

Manfred R. ist jetzt 68 Jahre alt. Inzwischen besucht er die Kleinwachauer Seniorenstätte. Im Waldhaus hat er viele Wohnformen miterlebt: Lange Zeit waren enge Schlafsäle mit vielen Betten die Normalität. Erst später gab es eine Auflockerung, die Doppelstockbetten wurden abgeschafft und 4-Bett-Zimmer eingerichtet. Seit 2002 bewohnt Manfred R. ein Doppelzimmer.


Senioren mit Epilepsie und Behinderungen

dringender Sanierungsbedarf in der Kleinwachauer Seniorenstätte

zu diesem Thema ein Artikel von Tomas Gärtner, veröffentlicht in den DNN vom 14./15.01.2006 :


Vor 16 Jahren fanden die älteren Menschen mit Behinderung noch an einem Tisch Platz. Sieben Frauen und Männer über 60 Jahre waren es damals im Epilepsiezentrum Kleinwachau, einer Einrichtung der Diakonie. Schon im Jahr 2000 hatte sich deren Zahl fast versechsfacht, auf 40 Personen. "In den kommenden Jahren rechnen wir mit 65 Senioren", sagt Seniorenbetreuerin Elisabeth Möller.

Wie hier in Kleinwachau, wo insgesamt fast 180 Menschen leben, nimmt die Zahl älterer Menschen unter den körperlich oder geistig Behinderten in Sachsen rapide zu. Von 1993 bis 2003 ist der Anteil der über 60-Jährigen an den Schwerbehinderten im Freistaat nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Kamenz um mehr als 15 Prozent auf 60 Prozent gestiegen.

Eine Studie des Hamburger Instituts "con-sens GmbH" prognostiziert, die Zahl älterer behinderter Menschen werde schneller steigen als die der übrigen im Zuge der demografischen Entwicklung. Der Grund hat mit der deutschen Geschichte zu tun: wegen der Euthanasie, der systematischen Tötung Behinderter während der NS-Zeit, war die Zahl älterer Behinderter in den vergangenen Jahren gering.

Pfarrer Harald Wachsmuth, Theologischer Leiter des Epilepsiezentrums Kleinwachau, nennt als weitere Gründe die gewachsenen Möglichkeiten der modernen Medizin und die bessere Betreuung von Menschen mit Behinderung. Mit der wachsenden Zahl älterer Behinderter, die nicht nur in Einrichtungen wie dem Epilepsiezentrum, sondern häufig zu Hause leben, müssen die Diakonie und andere Wohlfahrtsverbände enorme Anstrengungen unternehmen, um sie alle menschenwürdig zu pflegen.

Karsten Bilz betreut zusammen mit acht Mitarbeitern eine Gruppe von 17 Männern, die zwischen 60 und 81 Jahre alt sind. Zu körperlicher, häufig auch geistiger Behinderung und den epileptischen Anfällen kämen nun auch die Probleme des Alters, erzählt er. "Urin-Kontinenz, Altersdemenz." Von den täglichen Verrichtungen, Essen zum Beispiel, Anziehen oder Gehen, könnten sie immer weniger selbst erledigen. Immerhäufiger müssen die Pfleger helfen, damit es nicht Stunden dauert.

Dennoch will das Personal gemäß der christlichen Auffassung, jeden als Gottes Geschöpf zu achten, alle geistigen und körperlichen Fähigkeiten der älteren Betreuten so weit es geht erhalten. Dazu müssen sie gefordert werden. Dies geschieht vor allem in der Seniorenstätte des Epilepsiezentrums, die in einem mehr als 115 Jahre alten Gartenhausuntergebracht ist. Hier basteln und spielen die Älteren, reden, musizieren und singen unter Anleitung von Betreuern und Therapeutenmiteinander.

An einem Tisch, auf den das Licht der weißen Neonröhren von der Decke fällt, sitzen zwei ältere Männer. Der eine, Roland Zimmer, glättet Holzfiguren mit Schmirgelpapier. Seit 1948 lebe er hier, sagt er. Indiesem Jahr wird er 65.

Der Raum, in dem früher einmal die Werkstatt untergebracht war, ist groß. Mit Schränken und Regalen haben ihn die Mitarbeiter notdürftigunterteilt. "Wir brauchten viel mehr kleinere Räume als Rückzugsmöglichkeit", sagt Elisabeth Möller. Eine der vier Beschäftigungsgruppen muss mit dem Essenraum Vorlieb nehmen.

In zwei der Toiletten passt kein Rollstuhl. Nur die dritte, für die ein Stück des Flurs abgetrennt wurde, ist groß genug, dass man einen Behinderten auch waschen kann. Geschlossen wird sie durch einen weißen Plastevorhang.

Im zweiten der großen Räume sitzen ältere Frauen am Tisch, sie stricken, eine von ihnen flicht bunte Wolle um die Metallstäbe eines Stabwebrahmens. Von nebenan kommt Ruth Weise, sie ist 71. Elisabeth Möller muss ihr die Flügeltür öffnen. Obwohl ein flacher Holzkeil vor der Schwelle liegt, kommt die alte Frau mit ihrem Laufgestell auf Rädern nur mühsam darüber weg. Ebenso wie über die vielen welligen Stellen des alten Fußbodens.

Bis hinauf zum Dach müsse so gut wie alles erneuert werden, um das Haus alten- und behindertengerecht zu gestalten, sagt Elisabeth Möller. "Das bislang umfangreichste war 1999 der Einbau einer neuen Heizung", sagt Pfarrer Wachsmuth. "Ansonsten konnte alles immer nur notdürftig erhalten werden." Die meisten Möbel seien gebrauchte. 2007soll das Haus modernisiert werden. Das kostet voraussichtlich 1,5 Millionen Euro. Eine Summe, die die Einrichtung nicht allein aufbringen kann. "Das", so Pfarrer Wachsmuth, "schaffen wir nur mit Spenden."

Tomas Gärtner


Kleinwachau - Sächsisches Epilepsiezentrum Radeberg gemeinnützige GmbH | Wachauer Straße 30 | 01454 Radeberg

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