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27.01.2026 // Allgemein

Gedenken und Gedanken

Heute gedachten die Klient:innen, Schüler:innen und Mitarbeitende des Epilepsiezentrums Kleinwachau der 111 Kleinwachauerinnen und Kleinwachauer, die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen wurden. Ihr Schicksal ist untrennbar mit der Geschichte Kleinwachaus verbunden und bleibt für die Einrichtung im Radeberger Ortsteil Liegau-Augustusbad Mahnung und Verpflichtung zugleich.

Zwischen 1940 und 1945 wurden im Rahmen der nationalsozialistischen Aktion T4 mehr als 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Beeinträchtigungen ermordet. Unter ihnen befanden sich auch 111 Klientinnen und Klienten aus Kleinwachau. Diese Wunde in der Geschichte Kleinwachaus ist bis heute spürbar.

Der heutige 27. Januar ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und in Deutschland zugleich der gesetzlich verankerte Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Er erinnert an den 27. Januar 1945, als Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreiten – heute vor genau 81 Jahren.

Hinter jedem Namen steht ein Leben

Auch in diesem Jahr erinnerten 111 weiße Luftballons auf der Wiese vor dem Brunnenhaus an die Opfer. Die Schülerinnen und Schüler der Kleinwachauer Förderschule für geistige Entwicklung hatten die Ballons aufgeblasen, mit den Namen der Opfer versehen und aufgestellt.

Pfarrer Edward Drath machte in seiner Andacht deutlich, dass hinter jedem der 111 Namen ein Mensch und ein Leben steht. Stellvertretend erzählte er die Geschichte von Ursula Heidrich. Die 1929 in Dresden geborene Frau kam 1940 nach Kleinwachau. 1943 wurde unsere Einrichtung geschlossen, und Ursula Heidrich wurde in die Heil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz in der Oberlausitz verlegt – einem Ort, an dem gezielt Menschen mit Behinderungen ermordet wurden.

In Großschweidnitz kam es bereits im Winter 1940 zu einer ersten Mordaktion. Die Opfer waren Kinder. Ärztinnen und Schwestern ermordeten sie durch überdosierte Beruhigungsmittel. Im Verlauf des Krieges starben immer mehr Menschen in der Anstalt. Die Sterblichkeit lag bei nahezu 50 Prozent.

Weiße Rosen und eine Kerze

Anfang 1945 erreichte das Sterben dort seinen traurigen Höhepunkt: 1.000 Menschen starben in vier Monaten. Aufgrund katastrophaler Lebensbedingungen und gezielter Überdosierung von Medikamenten kam es zu einem Massensterben. Ursula Heidrich fiel diesem zum Opfer und starb am 19. Februar 1945 im Alter von 15 Jahren an einer Lungenentzündung.

Nach der Andacht legte unsere Geschäftsführerin Sandra Stöhr weiße Rosen am Denkmal, das an unsere Opfer des Nationalsozialismus erinnert, nieder und entzündete eine Kerze.

Noch lange standen Klient:innen, Schüler:innen und Mitarbeitende in Gedanken zusammen.

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