Der Weg zur Kampagne
Worte von Vertrauen und Hoffnung
Von Alexander Nuck, Leiter der Unternehmenskommunikation
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ Dieses Bibelwort aus der Offenbarung des Johannes (Kapitel 21, Vers 5) ist die aktuelle Jahreslosung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Offenbarung, auch Apokalypse genannt, ist das letzte Buch des Neuen Testaments. Sie blickt prophetisch auf das Ende der Welt und verbindet dies mit der Hoffnung auf ewiges Leben, einen neuen Himmel und eine neue Erde.
„Siehe, ich mache alles neu!“ ist kein menschliches Versprechen, sondern eine göttliche Zusage. Doch was bedeutet dieses „Neu-Machen“ heute, in einer Zeit von Kriegen, Vertrauensverlust in Politik und gesellschaftlicher Spaltung?
Wer vertraut, lässt Neues zu
Wir in Kleinwachau - als Einrichtung der Diakonie - interpretieren seit Jahren die Worte der Jahreslosung für unseren Alltag. 2026 lautet unser Slogan: „Vertrauen wagen!“
Denn wer vertraut, glaubt an Veränderung. Wer vertraut, lässt Neues zu. Und wer vertraut, folgt dem, der spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“
Im Epilepsiezentrum Kleinwachau begegnen uns tagtäglich Menschen, die uns ihr Vertrauen schenken: Patient:innen, Klient:innen, Beschäftigte, Eltern, Spender, Entscheidungsträger:innen und Kolleg:innen.
Sie vertrauen auf unsere medizinische, therapeutische und pädagogische Kompetenz. Sie vertrauen unserem gemeinsamen Ziel, Lebensqualität zu fördern und Teilhabe zu ermöglichen. Und dadurch gewinnen sie auch eigenes Vertrauen.
„Vertrauen wagen!“ kann für uns in Kleinwachau bedeuten,
- das Vertrauen in die eigene Berufung zu erneuern,
- Mut zu Veränderungen zu haben,
- den Menschen zu zeigen: Wir glauben an das Gute, das Gott in uns und durch uns neu macht.
Heute, in einer Welt, die von Angst und Misstrauen geprägt ist, braucht es Mut, Vertrauen zu wagen.
Das Motto gab es schon mal in der DDR
Eine historische Parallele hat uns bei der Diskussion um unsere neue Jahreskampagne begleitet: Im Juli 1983 versammelten sich rund 100.000 Christinnen und Christen zum Kirchentag der Sächsischen Landeskirche in Dresden, einem von sieben Kirchentagen in der DDR. Zur Begrüßung wehte ein weißes Banner mit grünem Kreuz von der Kreuzkirche. Das Motto lautete schon damals: „Vertrauen wagen“.
Auch damals stand die Welt vor enormen politischen Spannungen, geprägt vom Wettrüsten des Kalten Krieges. Die zentrale Frage war: Wie können wir Hoffnung leben, wenn Angst und Abschreckung das Denken bestimmen? Themen wie Frieden und das Recht auf Wehrdienstverweigerung mit der Waffe in der DDR standen im Mittelpunkt. Themen, die damals aktuell waren und es bis heute geblieben sind.
Auch in diesem Jahr erzählen wir wieder die Geschichten von vier Menschen. Menschen, die in und mit Kleinwachau Vertrauen gewagt haben.
Bedeutung von Jahreslosung und Jahreskampagne
Vertrauen, weil es sich lohnt
Von Pfarrer Edward Drath, Kleinwachau
Vertrauen wagen … Mein Kind steht oben auf der Mauer. Ich stehe unten, ihm gegenüber. Mein Kind will springen, doch es zögert. Immer wieder schaut es nach unten. Ich habe den Eindruck: Es prüft die Höhe. Es fragt sich: Kann ich das schaffen?
Und es schaut immer wieder zu mir. Ich sage: Spring. Ich stehe hier. Ich halte dich, wenn du es brauchst. Mein Kind schaut. Mein Kind zögert. Es fragt sich: Kann ich vertrauen? Mir und meinen Fähigkeiten? Und meinem Gegenüber, meinem Vater?
Vertrauen ist ein Wagnis. Es gibt keine Sicherheit, dass alles gut geht. Mein Kind schätzt seine Fähigkeiten vielleicht falsch ein. Vielleicht schätze ich meine Fähigkeiten falsch ein. Da bleibt ein Risiko, dass etwas schiefgehen kann.
Wenn ich mich entscheide, zu vertrauen, dann tue ich das also auf Hoffnung hin. Ich hoffe, dass es so ausgeht, wie ich es mir wünsche. Ich hoffe, dass es gut ausgeht.
Vertrauen wagen … Das scheint schwerer zu sein, wenn negative Erfahrungen hinzukommen. Wenn jemand meine Fehler und Schwächen schonungslos offenlegt, mich bloßstellt vor anderen. Wenn mein Gegenüber nicht sehen kann, in welcher Situation ich bin und welche Verantwortung ich trage.
Wie viele Gedanken ich mir um die Folgen meines Handelns mache. Wenn der Andere meinen Entscheidungen nicht vertraut ... Wenn Vertrauen wieder und wieder enttäuscht worden ist. Kann ich dem Anderen vertrauen?
Die Jahreslosung 2026 der Evangelischen Kirche lautet: „„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5). Wir haben sie für uns in Kleinwachau als „Vertrauen wagen“ übersetzt.
Siehe, ich mache alles neu … So heißt es am Ende der Bibel. Ein Wort, das ermutigen soll: Gott sorgt für den Neu-Beginn. Alles neu – wenn es nur so einfach wäre. Wenn ich noch mal neu, ganz von vorn beginnen könnte. Ohne die negativen Erfahrungen, die mein Entscheiden prägen.
Die Sehnsucht nach einer solchen Lösung kann groß sein. Aber so geht es nicht. Und ob Vertrauen dann wirklich leichter wäre, bleibt abzuwarten. Nein, dieses Wort „Siehe, ich mache alles neu“ bedeutet für mich: Ich kann es wagen, zu vertrauen – mit meinen Erfahrungen, auch den negativen.
Vertrauen wagen …
Mein Kind springt. Alles geht gut. Mein Halten hat es dafür nicht gebraucht. Es fällt mir um den Hals. Es drückt mich fest an sich. Ich vermute, es hat gerade eine gute Erfahrung gemacht – die Erfahrung: Ich habe vertraut, und es hat sich gelohnt.
Solch gute, lohnende Erfahrungen wünsche ich Ihnen hier bei uns in Kleinwachau, in unserem Dorf Liegau-Augustusbad, in unserer Stadt Radeberg - oder wo auch immer auf dieser Welt Sie diesen Text lesen. Und nicht nur eine davon, sondern viele, viele sollen es sein.